In der letzten Zeit sind u.a. diese frei verfügbaren Titel erschienen:
Bewertung und Variation der Präpositionalkasus im Deutschen: Der Einfluss metapragmatischer Urteile auf die Rektion von Präpositionen

Annika Vieregge
https://doi.org/10.5281/zenodo.14608443
https://langsci-press.org/catalog/book/475
Die Arbeit untersucht den Einfluss der metapragmatischen Bewertung von Genitiv und Dativ auf die Nutzung der Kasus in Präpositionalphrasen. Die Variation zwischen Genitiv- und Dativrektion betrifft insbesondere Präpositionen, die noch nicht vollständig grammatikalisiert sind. Daher wurde das Phänomen bisher vor allem aus grammatikalisierungstheoretischer Sicht betrachtet. Dies greift jedoch zu kurz – vielmehr hat die metapragmatische Bewertung der Kasus entscheidenden Einfluss auf die Kasuswahl. Genitiv und Dativ werden von SprecherInnen sehr unterschiedlich bewertet: Der Genitiv gilt als Prestigekasus, der Dativ wird mit geringer Bildung und Umgangssprachlichkeit verbunden.
Die Arbeit untersucht daher einerseits Sprachideologien zu Dativ und Genitiv genauer und andererseits den Einfluss der metapragmatischen Bewertung auf die Kasuswahl. Hierfür wurden exemplarisch die ursprünglichen Genitivpräpositionen wegen und während sowie die ursprünglichen Dativpräpositionen dank und gegenüber untersucht. Zusätzlich wurde die Primärpräposition seit in die Studie aufgenommen. Die metagpragmatische Bewertung der Kasus wurde mitihlfe eines Akzeptabilitätstest und Abfragen freier Assoziationen untersucht, der Einfluss auf die Kasuswahl mithilfe von Produktionsdaten. An der umfangreichen Onlinestudie nahmen 400 Muttersprachler:innen des Deutschen teil. Die Arbeit ist damit die erste, die die metapragmatische Bewertung von Genitiv und Dativ in den Mittelpunkt stellt, systematisch erhebt und im Rahmen der Sprachideologieforschung diskutiert.
In der Studie zeigt sich deutlich, dass den untersuchten Rektionsvarianten eine ganze Reihe unterschiedlicher indexikalischer Bedeutungen zugeschrieben werden: Der Genitiv wird als formell angesehen und steht für hohe Bildung, gute Sprachkenntnisse, Arroganz, Professionalität und Verkrampftheit. Der Dativ gilt als informell und steht für geringe Bildung, mangelnde Sprachkenntnisse und Schlampigkeit. Die im Fragebogen erhobenen Produktionsdaten verdeutlichen den Einfluss dieser metapragmatischen Bewertungen und bestätigen das mangelnde Erklärungspotenzial der Grammatikalisierungstheorie:
Sowohl bei ursprünglichen Genitiv- als auch bei ursprünglichen Dativpräpositionen lässt sich eine Tendenz zum Genitiv erkennen, insbesondere im formell gehaltenen Produktionsteil. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass die Variation der präpositionalen Rektion in hohem Maße von der metapragmatischen Bewertung der Kasus beeinflusst wird und die Varianten entsprechend ihrer sozialen Bedeutung genutzt werden.
„hot auf Zerstörung“? Rezos Medienkritik aus diskurslinguistischer Perspektive

Emily Reeh
https://doi.org/10.25819/ubsi/10691
Die vorliegende Arbeit widmet sich der linguistischen Analyse von Medienkritik im digitalen Zeitalter am Beispiel des YouTubers Rezo. Im Fokus steht das im Jahr 2020 veröffentlichte Video „Die Zerstörung der Presse“, in dem Rezo etablierte deutsche Printmedien einer kritischen Betrachtung unterzieht.
Auf Basis eines qualitativen Analyseansatzes werden drei Videos betrachtet: das Ursprungsvideo Rezos, die Reaktion der FAZ („Unsere Antwort auf Rezos „Zerstörung der Presse““) sowie Rezos Reaktionsvideo („Die dümmsten und lustigsten Reaktionen“). Die Analyse demonstriert, wie sich Rezo durch den Einsatz sprachlicher Kreativität und bewusster Inszenierung zwischen journalistischer Kritik und Politainment befindet.
Im Rahmen der Analyse werden verschiedene Aspekte der Videos untersucht, darunter der Aufbau, die Verwendung von Anglizismen sowie der Pronomina-Gebrauch als Index einer adressatengerechten Gestaltung. Rezos Medienkritik ist gekennzeichnet durch jugendsprachliche Elemente, eine direkte Adressierung und diskursive Strategien, die auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten sind. Die kontrastive Analyse mit dem FAZ-Video offenbart zudem Diskrepanzen in der sprachlichen Darstellung von Glaubwürdigkeit.
Die vorliegende Arbeit leistet somit einen Beitrag zur Erforschung digitaler politischer Kommunikation aus sprachwissenschaftlicher Perspektive.
Deutsch in Europa: Vielfalt, Sprachnormen und Sprachgebrauch. Vierter Bericht zur Lage der deutschen Sprache

Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
https://doi.org/10.24053/9783381135226
Wo in Europa wird Deutsch gesprochen? Wie kam es dazu? Welchen gesellschaftlichen Status hat die deutsche Sprache in Europa? Wie gestaltet sich der Kontakt mit anderen Sprachen? Wie fügt sich Deutsch in ein mehrsprachiges Repertoire ein? Wie ist die Vitalität des Deutschen einzuschätzen?
Diesen und anderen Fragen widmet sich der Vierte Bericht zur Lage der deutschen Sprache.
Der erste Teil umfasst 15 Länder-Portraits, in denen wichtige Informationen zur Stellung des Deutschen (z.B. als Amts- oder Minderheitensprache) zusammengetragen werden. Diese »Steckbriefe« dienen als Grundlage für die sechs Themenfelder, die im zweiten Teil die Vielfalt des Deutschen über die Ländergrenzen hinweg darstellen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der gegenwärtigen Situation (z.B. im Hinblick auf den Deutschunterricht in mehrsprachigen Konstellationen, den Sprachkontakt und die Einstellungen zur deutschen Sprache), es werden aber immer wieder auch Bezüge zur Geschichte der deutschsprachigen Minderheiten hergestellt.
Im Ganzen präsentiert sich so ein facettenreiches Bild des Deutschen in Europa – im Wechselspiel von Vielfalt, Sprachnormen und Sprachgebrauch.



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