In der letzten Zeit sind u.a. diese frei verfügbaren Titel erschienen:
Intervenierendes Erinnern – Kritische Aufarbeitung des NSU-Komplexes in Theater, Film und Hörspiel

Johanna Hähner
https://doi.org/10.57813/20250508-080408-0
Jahrelang blieben die Anschläge und Morde des NSU-Komplexes unaufgeklärt, bis sich 2011 das ‚Kerntrio‘ des NSU-Komplexes enttarnte. Bis dahin wurden die Morde sowohl in der Ermittlungsarbeit als auch in der öffentlichen Berichterstattung an der Schnittstelle von antimigrantischen und antimuslimischen Diskursen als Taten migrantischer Menschen verhandelt. Auch die anschließende Aufarbeitung war von rassistischen Zuschreibungen und einer mangelnden Einbeziehung der Betroffenenperspektive geprägt. Bereits kurz nach Bekanntwerden des NSU-Komplexes entstanden zahlreiche Theaterstücke, Filme, Romane und Hörspiele, die diese Leerstellen und blinden Flecken der Aufarbeitung thematisierten und kritische Reflexionsräume jenseits tradierter Gedenkformate schufen. Inwieweit Literatur, Theater, Hörspiel und Film zur kritischen Reflexion des NSU-Komplexes beitragen können und wie dies aus literatur- und medienwissenschaftlicher Perspektive untersucht werden kann, ist Gegenstand dieser Studie, die Ansätze der Memory Studies mit intermedialen und interdisziplinären Ansätzen der Erzähltheorie verbindet.
Schildern: Narratologische Überlegungen zu einer vergessenen Kategorie

Michael Niehaus
https://doi.org/10.57813/20250508-070858-0
In der Narratologie gibt es bislang keinerlei Beschäftigung mit dem Schildern, obwohl dieses Wort häufig verwendet wird. Während noch Lessing im Laokoon viel über das Schildern und wenig über das Erzählen spricht, und die Schilderung im 19. Jahrhundert als eigene Aufsatzform im Deutschunterricht gepflegt wird, scheint es in der Narratologie als bloße Mischform zwischen Beschreiben und Erzählen – den beiden grundlegenden Weisen der Darstellung von Sachverhalten – aufgefasst und nicht weiter in Betracht gezogen zu werden. Dieses kleine Buch ist ein erster und tastender Versuch, der Tätigkeit des Schilderns innerhalb und außerhalb der Literatur nachzugehen und sich von einer Kategorie in Unruhe versetzen zu lassen, die sich nicht verorten lässt und grundsätzliche narratologische Fragen aufwirft.
Umstände erzählen: Die Prosa des Falls bei Harsdörffer, Thomasius und Gayot de Pitaval“
Jasper Schagerl
https://doi.org/10.1515/9783111358680
Die Studie analysiert den Einfluss der Rechtskasuistik auf eine entstehende Poetik der Prosa zwischen 1650 und 1750. Ihre Grundthese lautet, dass das Erzählarchiv der Juristen wegweisend für die Entstehung der literarischen Fallprosa war. Der Untersuchung liegt die Annahme zugrunde, dass dem rhetorischen Begriff der Umstände (circumstantiae) für die Bestimmung dieses Verhältnisses eine Schlüsselrolle zukommt. Poetologische und juristische Erkenntnisinteressen konvergierten in der Frage danach, wie Umstände dargestellt werden können Die historisch-empirischen Disziplinen der Frühen Neuzeit wiederum griffen die Umstandstechnik auf und machten aus ihr die Grundlage einer Einzelfallwissenschaft. Entlang dreier paradigmatischer Autoren – Harsdörffer, Thomasius und Gayot de Pitaval – schreibt die Studie eine Geschichte derjenigen Verfahren, die die rhetorischen circumstantiae zu einem Erkenntnisinstrument, einer konjekturalen Urteilsform und einer Technik prosaischer Bindung haben werden lassen. Sie ergänzt damit die Studien zu literarischen Fallgeschichten um eine Vorgeschichte, in der ,Fälle‘ noch nicht gleichbedeutend mit devianten oder kranken Individuen waren. Vielmehr wurden sie als ,Casus‘ diskutiert, die durch die spezifische Konstellation ihrer Umstände allererst zum Einzelfall wurden. ,Umstände erzählen‘ legt somit den Grundstein für eine Literaturgeschichte kasuistischer Prosaformen in der Frühen Neuzeit.



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