Open-Access-Bücher zur Literaturwissenschaft

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In der letzten Zeit sind u.a. diese frei verfügbaren Titel erschienen:

BreiterKanon: Wiederentdecken, Lesen, Edieren und mehr

Marius Reisener & Martina Wernli (Hrsg.)
https://doi.org/10.1515/9783111352251

Schon vor 35 Jahren wurden in der Germanistik die traditionellen Kanon-Vorstellungen in Forschung und Lehre kritisiert: In ihrem frühen Aufsatz haben v. Heydebrand/Winko (1994) beispielsweise die Rezeptionsgeschichte von Theodor Fontanes Effi Briest mit Gabriele Reuters Aus guter Familie (beide 1895 erschienen) verglichen und analysiert, wie einer der beiden Text in den literarischen Kanon gefunden hat, während der andere in Vergessenheit geriet. Dass es dabei der männliche Autor war, dessen Roman sich durchgesetzt hat, ist kein Zufall. Die beiden Forscherinnen sprechen von einem „Phänomen“, das bis ins 20. Jahrhundert reiche: „In Literaturgeschichten werden sie [die weiblichen Autorinnen], sofern überhaupt, als ‚Frauenliteratur‘ isoliert, in den Kanon der Weltliteratur gehen sie, mit ganz wenigen Ausnahmen, nicht ein.“ (v. Heydebrand/Winko 1994, 99).

Eine derart profilierte Literatur sieht sich mit einer scheinbar unauflösbaren Paradoxie konfrontiert: Obwohl auch nicht-kanonisierte Literatur dazu in der Lage wäre, produktive Zugänge zu ‚ihrer‘ Welt zu legen, gerät sie immer weiter in Vergessenheit – und tut dies immer weiter, sofern ‚diese‘ Welt auch ohne sie auszukommen scheint. Bei Ausschlüssen dieser Art handelt es sich um hochgradig komplexe Vorgänge, die auf ein dichtes Netz diskursiver, materieller und kommunikativer Praktiken angewiesen sind. Wie aktuell die Problematik und die Mechanismen der Verdrängung immer noch sind, haben unlängst Seifert („Frauenliteratur“ 2021) oder Geitner („Sie schreibt“ 2022) dargelegt. Eine Untersuchung der Werke vergessen gemachter Autor:innen mit Blick auf das Potenzial, das diese Texte für Kanonisierungsprozesse selbst bereithalten, ist bisher jedoch ausgeblieben. Diesem Desiderat begegnet der Band mit historischen und systematischen Einzelstudien zu marginalisierten Autor:innen und Kanonisierungsprozessen und ergänzt sie mit einem pragmatischen Teil zu Lehrformaten und Interviews zur Literaturvermittlung und -ausstellung.

Comics | Histories: Texts, Methods, Resources

Jessica Bauwens-Sugimoto, Felix Giesa, Christina Meyer (Hrsg.)
https://doi.org/10.5771/9783988580566

Der vorliegende Sammelband ist der erste der neu ins Leben gerufenen Buchreihe Comics|Histories, die das breite Spektrum dessen, was heute als Comic gilt (einschließlich Karikatur, Cartoon, Graphic Novel usw.), überdenken und den Blick der Comics Studies nicht nur retrospektiv, sondern auch prospektiv erweitern will – und das in einer Zeit, in der sich die modernen Medienidentitäten auflösen. Während es bereits eine beträchtliche Anzahl von Publikationen gibt, die die Darstellung von Geschichte in Comics in den Vordergrund stellen, versucht unser Sammelband und die Buchreihe, comicspezifische Beiträge zur Geschichte hervorzuheben. Darüber hinaus zielen der Sammelband (und die neue Buchreihe) darauf ab, Comics aus einer transnationalen und zugleich kulturell situierten Perspektive zu betrachten, ohne nationale Geschichten des Mediums im engeren Sinne zu privilegieren, d.h. als auf nordamerikanische, französisch-belgische oder japanische Publikationsmärkte beschränkt. Die Beiträge dieses ersten Sammelbandes unserer Buchreihe befassen sich mit Fragen der Kanonisierung, Periodisierung und Digitalisierung, mit historischen Perspektiven auf eine Vielzahl von Humorzeitschriften und -zeitungen sowie mit Fragen der Adaption und Wiederherstellung in verschiedenen Teilen der Welt und in unterschiedlichen Kulturen. Zu den Autoren dieses Bandes gehören eine Reihe internationaler Wissenschaftler, die in verschiedenen Bereichen und Disziplinen arbeiten, wie z. B. Literatur- und Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Ge-schichte, Kinder- und Jugendliteraturforschung, Computational Studies und Digital Humanities. Der vorliegende Band gliedert sich in vier Teile mit den Titeln „Re-Reading Punch Magazines“, „(Re-)Productions“, „War [in] Comics“ und „Periodization, Canonization, Digitization“. Die Herausgeber:innen des Bandes hoffen, dass die Sammlung von (laufenden) Forschungsprojekten die Neugier der Leserinnen und Leser weckt und den Ehrgeiz entfacht, die Comic-Geschichte auf vielfältige Weise zu erforschen. Die neu ins Leben gerufene Buchreihe sucht nach zukünftigen Projekten, die auch die Historiographie der Comics Studies, also die inter- und transdisziplinäre Erforschung des Comics als eigenständigen Analysegegenstand, in den Mittelpunkt rücken. Multidisziplinäre Betrachtungen des Feldes und seiner Praktiken des Forschens und Publizierens, der Autoren- und Herausgeberschaft versprechen neue Einblicke in Prozesse der Wissensbildung sowie in die damit verbundenen Machtverhältnisse.

Superspreader – Popkultur und mediale Diskurse im Angesicht der Pandemie

Arno Görgen, Tobias Eichinger, Eugen Pfister (Hrsg.)
https://doi.org/10.14361/9783839471975

Als die Covid-19-Pandemie im Frühjahr 2020 ausbrach, konnte die mediale Kommunikation an bereits vorhandenes Wissen, Narrative und ein Bilderreservoir anknüpfen, die aus der populärkulturellen Auseinandersetzung mit ansteckenden Krankheiten und Seuchenkatastrophen stammen: In zahllosen Comics, Spielfilmen, TV-Serien und digitalen Spielen werden bereits seit Jahrzehnten Diskurse von Ansteckung und Abschottung, von kollabierenden Gesundheitssystemen und gesellschaftlichen Ausnahmezuständen konstruiert, kommuniziert und konsumiert.

Die Beiträger*innen bieten eine breit gefächerte aktuelle Topografie des popkulturellen Wissens um Pandemien in ihren medial-diskursiven Erscheinungsformen – und helfen so, das kulturelle Gedächtnis zum Thema zu bewahren.

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