Kennen Sie schon … das Netzwerk Leseforschung?

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Das Netzwerk Leseforschung ist ein loser Verbund von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis, Leseförderung und Bildungspolitik, die sich in verschiedenen Disziplinen und Dimensionen mit dem Lesen als spezifischem Rezeptionsprozess sowie verschiedenen Lesemedien und -materialien auseinandersetzen.

Die Omnipräsenz von Schrift und Text im öffentlichen und privaten Raum macht die Trennung zwischen funktionalem Lesen als Instrument alltagsweltlicher Orientierung einerseits und literarisch-intellektuellem Lesen als kulturellem Handeln andererseits für die Relevanz von Forschungsfragen obsolet. Der beträchtliche Anteil von Menschen mit unzureichenden Lesekompetenzen auch in hochentwickelten Volkswirtschaften wirft nicht nur Fragen nach dem Zugang zu literarisch-ästhetisch wertvollen und erhaltenswerten Kulturgütern auf, sondern lässt bereits die Befähigung zur Bewältigung lebensweltlicher Anforderungen zur gesamtgesellschaftlichen Herausforderung werden, die wissenschaftlicher Grundlagen und Begleitung bedarf.

Das Netzwerk widmet sich diesem komplexen Totalphänomen (Positionspapier) mit dem Versuch Expertinnen und Experten multidisziplinär zusammenzubringen. Es ist offen für weitere Expertinnen und Experten. Es dient auch als Plattform, aus der heraus verschiedene Teams Drittmittelanträge erarbeiten können.

Das Netzwerk Leseforschung wurde 2019 im Rahmen des von der VW-Stiftung geförderten Symposiums »Dimensionen des Lesens« initiiert.

Die DFG-Förderung des Projekts ist Ende 2025 ausgelaufen. Auf der Website finden sich aber nachwievor Lesetipps in der Publikationsliste. Viele Forschungsergebnisse finden sich z.B. im Buch „Mythen des Lesens„:

Mit welchen Herausforderungen sieht sich die Kulturtechnik Lesen in unserer Gesellschaft konfrontiert und was wissen wir darüber? Die Beiträger*innen des interdisziplinären Netzwerks Leseforschung versammeln eine Vielzahl kursierender »Mythen« des Lesens mit dem Ziel, vorherrschende Meinungsbilder einer kritischen und wissenschaftlich fundierten Betrachtung zu unterziehen. Dazu zeigen sie auf, welche Haltungen und Erwartungen das Lesen begleiten und von welchen gesellschaftlichen Gemeinplätzen Lesetätigkeiten, der Buchmarkt sowie unterschiedliche Medien der Literaturrezeption bestimmt sind. Die essayistische Sammlung leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Lesens in Zeiten des Wandels.

Es wurde ein interdisziplinäres „Lesemodell“ entwickelt:

Das wissenschaftliche Feld der Leseforschung ist ebenso komplex wie segmentiert und spiegelt die Vielfalt an Lesehandlungen und die Vielschichtigkeit des Leseprozesses wider. Aufgrund der Fülle an disziplinenspezifischen Forschungsansätzen und Untersuchungsgegenständen kann kaum von einer einheitlichen Leseforschung ausgegangen werden. Eine Zusammenführung von Erkenntnissen und ein gemeinsamer Diskurs werden bereits durch eine fehlende einheitliche Begrifflichkeit erschwert und es mangelt an einer theoretischen Modellierung des Begriffs ‚Lesen‘, der eine Integration verschiedener disziplinärer Ansätze und Forschungsergebnisse ermöglicht.

Das entwickelte Modell ist das Resultat der internationalen Zusammenarbeit von Leseforscher*innen im Rahmen des DFG-Netzwerks Forschungsfeld Lesen – Lesen als Totalphänomen und versucht die Komplexität des Forschungsfelds zu berücksichtigen, ohne die methodischen, theoretischen und praktischen Spezifika einzelner Disziplinen zu vernachlässigen. Damit wird ein Rahmen vorgelegt, der die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Lesesubjekt, Leseobjekt und Lesesituation, ihre Voraussetzungen und Nachwirkungen sowie diverse Teilaspekte des Leseprozesses beim Lesen aller Arten von schriftbasierten Texten und zu unterschiedlichen Zwecken oder Anlässen ermöglicht.

Zur Publikation:
Kosch, Lukas; Schneider, Ute (2025): Lesen als Prozess: Ein Modell der transdisziplinären Leseforschung. In: Orbis Litterarum, DOI: 10.1111/oli.12479.

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