Open-Access-Woche 2026: Warum Open Access? – 3 Antworten aus Münster von Sebastian Bernhardt 

von

Seit 2023 hat Prof. Dr. Sebastian Bernhardt einen Lehrstuhl für Literatur- und Mediendidaktik am Germanistischen Institut der Universität Münster inne.

In seinem Publikationsverzeichnis findet man an vielen Büchern den Vermerk „Open Access“.
Was hat ihn dazu bewegt? Wir haben nachgefragt.

Sehr geehrter Herr Bernhardt, warum haben Sie sich entschieden, Ihre Habilitationsschrift und einige der von Ihnen mit herausgegebenen Bände Open Access zu veröffentlichen?

Das hat tatsächlich drei verschiedene Gründe:

Erstens bin ich Didaktiker. Das heißt, ich beschäftige mich mit bildungsbezogenen Fragen und möchte nicht nur innerhalb der scientific community wahrgenommen werden, sondern auch in Schulen, Bildungseinrichtungen, Studienseminaren und in öffentlichen Debatten. Für den wissenschaftlichen Diskurs gibt es teilweise noch Möglichkeiten, dass eBooks über die großen Datenpakete trotzdem an fast allen Universitäten abgerufen werden können, aber das ist an Schulen, in Studienseminaren, in museumspädagogischen Einrichtungen einfach nicht der Fall. Insofern war es mir wichtig, hier einen kostenfreien Zugang für alle zu ermöglichen und dadurch auch barrierefreien Zugang zu den Forschungsergebnissen zu bieten.

Zweitens ist es mir in meiner Forschung immer ein Anliegen, auch die Öffentlichkeit mitzudenken. Wenn Wissenschaft sich vom öffentlichen Diskurs entkoppelt, finde ich das gefährlich. Wir werden von öffentlicher Hand finanziert, Forschung und Wissenschaft haben die Aufgabe, die Gesellschaft voranzubringen. Insofern ist es mir sehr wichtig, auch zugänglich zu sein. Das bezieht sich inhaltlich darauf, dass ich die Forschungsergebnisse immer so klar darstellen möchte, dass sie Impulse für Interessierte auch außerhalb der scientific community zu bieten. Bezüglich der Zugänglichkeit bezieht sich das auf die barrierefreie Verfügbarkeit. Dafür ist open access dann sehr gut, weil dadurch keine Bezahlschranken gegeben sind und jede:*r Zugang zu den Informationen haben kann.

Drittens ist es auch für mich persönlich wichtig, um wahrgenommen zu werden. Forschung, die nicht öffentlich zugänglich ist, wird schlicht und ergreifend auch weniger gelesen. Insofern ist es mir auch ein Anliegen, möglichst weithin sichtbar zu sein. 

Gab es besondere Herausforderungen im Veröffentlichungsprozess aufgrund des Umstands, dass die Büchern Open Access erscheinen sollten?

Die größte Herausforderung ist es, dass Open Access teuer ist. Für die Verlage bedeutet Open Access Umsatzeinbußen, weil weniger Menschen die Bücher oder eBooks kaufen. Diese Umsatzeinbußen werden durch Open-Access-Gebühren an Autor:*innen und Herausgeber:*innen weitergegeben. Es kostet also mehrere tausend Euro zusätzlich. Das Geld dafür muss beantragt werden, nicht alle Fachbereiche haben Open-Access-Förderungen, insofern bedeutet das, es müssen zusätzliche Anträge an Stiftungen gestellt werden, um die finanziellen Rahmenbedingungen für Open Access zu schaffen. Das stellt sich teilweise als Herausforderung dar, gerade wenn man Themen behandelt, für die aktuell keine Förderlinien bestehen. 

Was muss gegeben sein, damit auch Ihre nächsten Bücher – oder auch einzelne Sammelband-Beiträge oder Zeitschriften-Artikel –Open Access erscheinen können?

Hier geht es vor allem um die finanziellen Rahmenbedingungen. Für meine nächsten Publikationen konnte ich bereits erfolgreich Anträge bei Stiftungen stellen, die mir bei der Finanzierung der Open-Access-Gebühren Unterstützung bieten. Perspektivisch ist es aber wichtig, dass hier Vereinfachungen geschaffen werden. Dazu muss man wissen, dass in den Geisteswissenschaften nach wie vor noch das Buch eine große Rolle spielt. Wir publizieren in der Regel print plus eBook mit Open Access, sofern es die finanziellen Mittel zulassen. Das ist mir persönlich auch wichtig, weil ich mit dem Medium Buch bei komplexen und längeren Argumentationswegen einfach konzentrierter arbeiten kann. Für den ersten Zugriff und das Einlesen sind dann aber die öffentlich zugänglichen eBooks unverzichtbar. Entsprechend wäre es auch wichtig, hier Unterstützungsmöglichkeiten für mich und andere Forschende zu haben und zu sichern. 

Kategorien: ,

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Captcha wird geladen…

Weitere Beiträge