WDR ZeitZeichen zu Nasreddin Hoca

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Nasreddin Hoca (Todesjahr 1284) begeistert mit seinen humorvollen Geschichten seit Jahrhunderten. Er zeigt, wie Islam und Humor zusammenpassen.

Man schmunzelt über ihn von Istanbul bis Jemen, von Marokko bis Peking, von Samarkand bis Moskau, vom Balkan bis in die Vorstädte Teherans: Nasreddin Hoca ist ein Kosmopolit. Die türkische Überlieferung beansprucht ihn jedoch als unveräußerliches Eigentum. Dargestellt wird er mit übergroßem Turban, meist verkehrt herum auf seinem Esel sitzend. Grundlage dafür ist dieser Dialog: „Aber Hoca! Du sitzt verkehrt herum auf dem Esel!“ – „Nein“, erwiderte Hoca. „Nicht ich sitz‘ verkehrt herum! Der Esel schaut in die falsche Richtung!“

Im Herzen der Türkei, in der mittelanatolischen Stadt Akşehir, steht ein Mausoleum, dessen Tür ein überdimensionales Vorhängeschloss sichert – reinste Ironie, denn ansonsten ist die Grabstätte ringsum frei zugänglich.

Das Grab von Nasreddin Hoca ist mit einem übergroßen Turban aus Marmor geschmückt. Darauf steht: Gestorben 683 Hedschra. Nach christlicher Zeitrechnung also 1284. Ob er aber tatsächlich existiert hat oder nicht, ist nicht bekannt.

Heute geht man davon aus, dass Nasreddin Hoca eine historische Persönlichkeit des 13. oder 14. Jahrhunderts gewesen sein könnte. Damals erscheinen die ersten Nachrichten über ihn. Sie berichten über ein Schlitzohr, das verschmitzt und mit Schläue, manchmal auch frech, die Schwächen der Menschen humorvoll karikiert.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:

  • Warum Nasreddin Hoca in der Erzählforschung als „Kristallisations-Figur“ bezeichnet wird,
  • welche Art von Anekdoten und Geschichten von ihm stammen sollen,
  • wie groß das Spektrum der Themen ist,
  • welche Rolle die Gestalt des berühmten mongolischen Eroberers Timur Leng spielt,
  • was Michail Gorbatschow mit Nasreddin Hoca zu tun hat.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

  • Professor Ulrich Marzolph (Islamwissenschaftler, Universität Göttingen)
  • Ulrich Marzolph (Hg.): Nasreddin Hoca – 666 wahre Geschichten. München 1996
  • Ulrich Marzolph: Arabia Ridens. Frankfurt 1992
  • Celal Özcan (Hg.): Die besten Geschichten von Nasreddin Hoca. München 2014

Weiterführende Links:

(WDR, Marfa Heimbach, Redaktion: David Rother)

Sie können die Sendung, die am 21.11.2024 in der Reihe „ZeitZeichen“ lief, über die Seite des WDR nachhören oder als Audiodatei herunterladen.

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